Mit Menschen mit Demenz kommunizieren:
So gelingt das Gespräch
Eine Demenz verändert auch die Kommunikation. Gespräche werden oft schwieriger, Worte fehlen oder Gedanken gehen verloren. Das bedeutet jedoch nicht, dass Kommunikation nicht mehr möglich ist. Menschen mit Demenz nehmen Gefühle und Zuwendung wahr, auch wenn das Sprachverständnis nachlässt. Missverständnisse, Wiederholungen oder unerwartete Reaktionen gehören oft zum Alltag. Geduld und Verständnis werden dadurch besonders wichtig.
Inhaltsverzeichnis
Einfache und klare Sprache verwenden
Menschen mit Demenz haben häufig Schwierigkeiten, komplexen Zusammenhängen zu folgen. Eine einfache Sprache erleichtert das Verstehen. Klare und verständliche Formulierungen zeigen Respekt und nehmen Rücksicht auf die veränderten Fähigkeiten.
Kurze Sätze und vertraute Worte wählen
Kurze Sätze sind oft leichter zu verstehen als lange Erklärungen. Hilfreich ist es, jeweils nur einen Gedanken zu vermitteln und vertraute Begriffe zu verwenden.
Statt: „Wir müssen jetzt los, damit wir den Termin nicht verpassen und anschließend noch einkaufen können.“ Besser: „Wir fahren jetzt zum Termin. Danach gehen wir einkaufen.“
Auch Verneinungen können verwirrend sein. Statt: „Vergiss bitte nicht deine Jacke.“ Besser: „Bitte zieh deine Jacke an.“
Eine Frage oder Bitte nach der anderen stellen
Mehrere Informationen gleichzeitig können schnell überfordern.
Statt: „Möchtest du erst frühstücken und danach spazieren gehen oder lieber erst duschen?“ Besser: „Möchtest du frühstücken?“ Erst danach sollte die nächste Frage folgen.
Geduldig zuhören und ausreichend Zeit geben
Viele Menschen mit Demenz brauchen länger, um auf Fragen zu reagieren oder einen Gedanken auszusprechen.
Pausen aushalten und nicht vorgreifen
Gesprächspartner möchten oft aushelfen, wenn ein Satz ins Stocken gerät. Angenehmer ist es jedoch, dem Gegenüber die Möglichkeit zu geben, den Gedanken selbst zu Ende zu führen.
Aktives Zuhören als Zeichen der Wertschätzung
Schon ein Nicken, ein verständnisvoller Blick oder kurze Rückmeldungen zeigen, dass der Gesprächspartner interessiert ist. Viele Menschen mit Demenz merken, ob ihnen aufmerksam zugehört wird.
Gefühle ernst nehmen und Verständnis zeigen
Mit fortschreitender Demenz stimmen Erinnerungen und Realität nicht immer überein. Die Gefühle, die damit verbunden sind, bleiben jedoch echt und sollten ernst genommen werden.
Die emotionale Wirklichkeit des erkrankten Menschen anerkennen
Viele Angehörige möchten Missverständnisse sofort richtigstellen. Das kann jedoch dazu führen, dass der Mensch mit Demenz sich unverstanden fühlt. Wenn beispielsweise eine Frau nach ihrer längst verstorbenen Mutter fragt, hilft eine sachliche Korrektur meist wenig.
Statt: „Deine Mutter lebt doch schon lange nicht mehr.“ kann es hilfreicher sein zu fragen: „Du denkst gerade an deine Mutter? Vermisst du sie?“
Oft ist das Gefühl wichtiger als der eigentliche Inhalt.
Validation: dem Gefühl begegnen, nicht dem Irrtum
Der Validationsansatz nach Naomi Feil geht davon aus, dass Gefühle wichtiger sein können als die sachliche Richtigkeit einer Aussage. Wenn jemand sagt: „Ich muss nach Hause zu meinen Eltern.“, könnte die Antwort lauten: „Du denkst gerade an dein Zuhause von früher. Was hat dir dort besonders gefallen?“
Ruhig und respektvoll kommunizieren
Oft entscheidet der Tonfall darüber, wie eine Botschaft ankommt.
Stimme und Sprechtempo bewusst einsetzen
Eine ruhige und freundliche Stimme vermittelt vielen Menschen mit Demenz Sicherheit. Langsames und deutliches Sprechen erleichtert das Verstehen und nimmt Druck aus dem Gespräch. Zudem wirken die Sprachweise oder der Dialekt, die ein Mensch sein Leben lang gewohnt war, beruhigend. Lauter zu sprechen hilft in der Regel nicht weiter.
Hektik und Druck aus dem Gespräch nehmen
Gespräche gelingen oft besser, wenn genügend Zeit vorhanden ist. Hektik und Zeitdruck können Menschen mit Demenz verunsichern und unnötig unter Druck setzen. Auch Fernseher, Radio oder andere Geräusche im Hintergrund lenken oft ab und erschweren die Konzentration auf das Gespräch.
Körpersprache und Blickkontakt bewusst einsetzen
Gesichtsausdruck, Gesten und Körperhaltung gehören ebenfalls zur Kommunikation.
Augenhöhe herstellen und Blickkontakt halten
Blickkontakt und eine offene Körperhaltung zeigen: „Ich bin bei dir.“ Gespräche im Vorbeigehen oder aus einiger Entfernung wirken dagegen oft unpersönlich.
Berührung als Kommunikationsmittel nutzen
Eine Hand auf der Schulter, das Halten der Hand oder eine sanfte Berührung können Trost, Nähe und Sicherheit vermitteln. Nicht jeder empfindet körperliche Nähe als angenehm. Deshalb sollten die Signale des Gegenübers beachtet werden.

Konflikte und Diskussionen gezielt vermeiden
Diskussionen über Fakten führen bei Demenz selten zum Ziel. Sie können beide Seiten belasten und Frustration auslösen.
Nicht korrigieren: begleiten statt belehren
Sätze wie „Das stimmt nicht“ oder „Das hast du schon erzählt“ sind oftmals verletzend. Häufig ist es sinnvoller, das Gespräch behutsam weiterzuführen. Wichtiger als die korrekte Antwort ist ein wertschätzender Umgang.
Ablenkung als hilfreiche Gesprächsstrategie
Manchmal lässt sich eine belastende Situation durch einen Themenwechsel entspannen. Ein gemeinsamer Blick aus dem Fenster, eine Tasse Tee oder ein vertrautes Musikstück können die Aufmerksamkeit auf etwas Angenehmes lenken.
Sicherheit und Vertrauen im Gespräch vermitteln
Im Mittelpunkt steht nicht die perfekte Gesprächstechnik, sondern ein respektvoller und zugewandter Umgang. Nicht jedes Gespräch verläuft wie gewünscht. Eine freundliche Stimme oder ein verständnisvoller Blick bleiben länger in Erinnerung als die eigentlichen Worte.